Die Legende vom Hermunduren
Die Legende vom Hermunduren

Antworten zur historischen Situation der Barbaren

 1) In welcher Lage befanden sich die Stämme der Barbaren?

Um 12 v. Chr. begann das Römische Imperium Interesse für das Land rechts des Rheins zu bezeugen. Ausgangspunkt dieser militärischen Bestrebungen waren Militärlager entlang des Rheins (Mainz, Xanten, Neuss).  Rom drang von Norden über die Mündungen der Flüsse und die Nordsee in das Land vor, unterwarf die Friesen, die Chauken und kämpfte gegen die Sugambrer, die Chatten und Cherusker.

Auch die Flüsse Main und Lippe boten einen verhältnismäßig leichten Zugang für den Nachschubtransport in die Tiefe des Barbaricum. Diese territorialen Gegebenheiten schienen römische Absichten zur Ausweitung der Hegemonie zu begünstigen. Mit wechselndem Erfolg gelang es keiner der kämpfenden Seiten maßgebliche Vorteile zu erringen.

Drusus als römischer Feldherr, erfolgreich ins Barbaricum vordringend, verstarb um 9 v. Chr. nach einem Sturz  vom Pferd an Knochenbrüchen und deren Entzündung. Sein Bruder Tiberius übernahm die Heerführung, siedelte nach deren Zerschlagung die Sugambrer in linksrheinischem Gebiet an und weckte das Interesse anderer, schwächerer Stämme an Förderatenverträgen mit  Rom.

 

Eine Niederlage der Markomannen gegen Drusus vor 9 v. Chr. und deren nachfolgende Kapitulation gegenüber Tiberius zwang die Markomannen vermutlich zum Verlassen ihres Rhein-Main-Siedlungsgebietes. Die Markomannen zogen sich um Christi Geburt nach Böhmen zurück und erstarkten dort.

Marbod nutzte das entstandene Machtvakuum und brachte sich ohne römische Zustimmung an die Spitze des Machtgefüges der Markomannen. Römische Zeitzeugen (Velleius) bescheinigen die Konsolidierung der neuen Herrschaft innerhalb von 5 Jahren.

Marbod schuf ein erstes ‚IMPERIUM’ in der germanischen Geschichte. Der Erfolg gelang, weil auch andere Stämme (Kelten, Hermunduren, Semnonen, Lugier, Langobarden) einbezogen wurden. Der Herrschaftsbereich umfasst das Territorium, welches von der Donau, der Weichsel, der Ostsee und der Elbe umschlossen wurde. Die Rivalität führender Geschlechter hält Marbod in Schach.

 

Nach Tiberius Rückzug vom Oberkommando um 6 v. Chr. ist eigentlich nur der Feldzug des L. Domitius Ahenobarbus  um 2 v. Chr. von Raetien aus bis zur Elbe von Bedeutung. Die Elbe überschreitend, stößt der Feldherr auf die Hermunduren. Abgeschlossene Verträge sollen Landbesiedlungen im Rhein-Main-Gebiet betreffen.

4 n. Chr. kehrte Tiberius als Oberkommandierender nach Germanien zurück und unterwarf die Chauttuarier. Die Römer beabsichtigten, den Aufbau der Provinz Germanien mit Förderatenverträgen zu stabilisieren. Sie erbauten Kastelle, legten Märkte an und richteten kaiserliche Domänen ein. Mit den Chauken schloss er einen solchen Förderatenvertrag ab.

 

Das Erstarken der Markomannen blieb den Römern nicht verborgen. Marbod verfügte über nach römischem Muster organisierte ca. 70.000 Männer Infanterie und 4.000 Mann Kavallerie. Dieser Sachverhalt reichte, um für Rom ein Bedrohungspotential darzustellen und rechtfertigte den von Kaiser Augustus entworfenen Angriffsplan der Römer.

Um 6 n. Chr. zog Rom zwölf Legionen zusammen, um den damals vermeintlichen einzigen Störfaktor für  eine Provinz Germanien zu zerschlagen. Fast 72.000 Legionäre sollten eine tödliche ‚Zange’ um das Reich der Markomannen legen. Nur 5 Tagesmärsche vom Treffpunkt der Streitkräfte entfernt, erreichte Tiberius die Kunde von schweren Unruhen in Pannonien und Dalmatien. Die bevorstehende Auseinandersetzung zwischen Rom und den Markomannen wurde durch diesen Aufstand verhindert. Ein schneller Friedensvertrag und der Königstitel für Marbod sicherten den Römern die Neutralität der Markomannen.

 

Der Pannonienaufstand und die Varusschlacht prägten den historischen Zeitraum von 6 bis 9 n. Chr. Neuer Statthalter des Kaisers in Germanien wurde um 7 n. Chr. P. Q. Varus.

Um 9 n. Chr. mit 5 Legionen im Sommerlager an der Weser befindlich, erreichte Varus die Nachricht von einem Aufstand. 

Die 14. und 21. Legion zum Rhein zurücksendend, zog Varus mit der 17., 18. und 19. Legion gegen die Aufständischen. Im von den Cheruskern unter Arminius errichteten Hinterhalt wurden Varus Legionen vernichtet. Diese Niederlage prägte das Handeln der Römer in den Folgejahren.

 

Von 9 bis 17 n. Chr. lieferten sich Rom und die Cherusker verbissene Kämpfe mit wechselndem Glück. Keine der Seiten vermochte die Oberhand zu gewinnen. Die Markomannen verhielten sich gegenüber beiden Seiten neutral.

Nach Kaiser Augustus Tod 14 n. Chr. wurde Tiberius Kaiser und Germanicus, Drusus Sohn, zum obersten Feldherrn in Germanien berufen. Nachfolgende Feldzüge gegen die Marser und die Chatten führte Rom mit äußerster Brutalität. Germanicus fand die Überbleibsel der Varusschlacht und begrub diese. In mehreren nachfolgenden Schlachten kämpfte Rom gegen die Cherusker und deren Verbündete. Obwohl die Cherusker  nicht Sieger dieser Kämpfe waren, stand Arminius an der Spitze einer verbliebenen starken Koalitionsarmee.

Um 16 n. Chr. befahl Kaiser Tiberius seinen Feldherrn  Germanicus die Germanen ihren ‚inneren Streitigkeiten’ zu überlassen und zog ihn aus Germanien ab. Tiberius waren vermutlich die Kosten weiterer Eroberungen im Verhältnis zu den erzielten Erfolgen zu hoch.

Um 17 n. Chr. stellten die Römer ihre Eroberungsabsichten in Germanien vorerst endgültig ein.

 

Dafür spitzte sich die politische Situation zwischen Arminius und Marbod zu. Diesmal blieben die Römer neutral, als sich 17 n. Chr. die Stämme der Cherusker und der Markomannen bekämpften. Dieser Krieg verschob bisherige Bündnisse. Semnonen & Langobarden fielen von Marbod  ab. Im Gegenzug wechselten Teile der Cherusker unter Inguiomer zu Marbod. Gleiche Heeresstärken verhinderten einen eindeutigen Sieg. Marbod scheute die Entscheidung. Desertionen zwangen ihn zur Rückkehr in sein Kernland. Der Stammesbund der Markomannen zerfiel nachfolgend durch römische Interventionen und einen starken Sippenadel. In diesem Prozess gelang es Katualda, einem von den Goten mit Streitmacht zurückkehrenden Markomannen, Marbod zu stürzen. Marbod floh in Roms großen Schoß. Katualda übernahm die Macht bis die Römer 19 n. Chr. Vannius, einen Quaden, als Klientelkönig einsetzten.

 

Um 21 n. Chr. erledigte sich die Gefahr für Rom durch die Cherusker von selbst. Arminius, in den Verdacht gekommen eine Königswürde anzustreben, wurde von eigenen Verwandten umgebracht. Durch  Bruderfehden löschte sich die cheruskische Führungsschicht nahezu vollständig selbst aus.

Im Jahr 47 n. Chr. ersuchten die Cherusker Rom um einen geeigneten Fürstensohn. Rom sendete Italicus, den Sohn von Arminius Bruder Flavus, der gemeinsam mit Arminius in Rom erzogen worden war und lieber Römer blieb.

Zu diesem Zeitpunkt schied der Stamm der Cherusker endgültig aus dem Kampf um die Vormacht in Germanien aus.

 

Was geschah mit den Markomannen?

Der Quade Vannius, eingesetzt von Roms Gnaden, herrschte bis seine beiden Neffen Sido und Vangio ihn im Jahr 50 n. Chr., mit Unterstützung der Lugier und der Hermunduren unter Vibilius, absetzten. Die Neffen teilten das Reich unter sich auf und blieben Rom gegenüber neutral. Auch Vannius gelangte in den ihn schützenden römischen Schoß.

In dieser Phase tauchte erstmals der Name Vibilius als Herzog der Hermunduren auf.

 

Meinen Überlegungen lagen auch die Erkenntnisse einer 1976 von Karl Peschel  erstellten Dissertation zum Thema „Das Verhältnis zwischen den Markomannen und Hermunduren“ zu Grunde. (Literatur Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig).

2) Warum fiel die Wahl auf den Stamm der Hermunduren?

In der Geschichte langsam zurückgehend, bei Karl dem Großen beginnend, über die Goten und Vandalen zu den Völkern der Sueben, Langobarden, Sachsen, Alemannen und letztlich auch die Franken findend, gelangte ich zu der Stelle einer historischen Zeitleiste, die man mit zu den ersten Konfrontationen zwischen Rom und germanischen Barbaren zählt: die Varusschlacht um 9 n. Chr.!

Der nachfolgende Zeitraum bis zum Tod Arminius 21 n. Chr. war durch die Literatur schon belegt.

Die literarische Beschreibung zur Varusschlacht setzte den Cheruskern, die 3 römische Legionen und zugehörige Auxiliaren vernichteten, bereits ein Denkmal. Das Thema bedurfte keiner Aufarbeitung!

 

Eigentlich war es die zwischen den Chatten und Hermunduren stattfindende Salzschlacht, die meine erste Aufmerksamkeit erregte. In dieser Auseinandersetzung, so besagt die historische Überlieferung, töteten die Sieger alle Überlebenden des Verlierers.

Ungeachtet dieser Niederlage und auch anderer ‚Befriedungsfeldzüge’ Roms gegenüber dem renitenten Volk der Chatten gibt es die Nachfahren dieses Stammes noch in heutiger Zeit. Aus dem Dunkel der Vergangenheit kommend und zuerst nur als schwach geltend, besaßen die Chatten eine Kraft, die in der heutigen Existenz sogar zu einem eigenen Bundesland reicht. Ein Hoch auf Hessen!

 

Mich interessierten jedoch die Hermunduren aus drei Gründen mehr.

Erstens lebten die Hermunduren beiderseits der Elbe, südlich von Harz und Börde, bis nach Böhmen hinein. Das heutige Sachsen und Teile Thüringens dürften somit zu deren Stammland gehört haben. Da ich im Hinterkopf auch immer den Gedanken der Suche meiner eigenen Abstammung verfolgte, orientierte ich mich mehr auf den in Sachsen lebenden Stamm der Hermunduren und ich fand Merkwürdigkeiten, die eine nähere Betrachtung lohnenswert machten.

Zweitens gelang es den Römern um die Zeitenwende Christi Geburt bis in dieses Gebiet vorzudringen. Angeblich fanden sie dort Freunde! Nachgewiesen ist, dass Teile der Hermunduren durch die Römer angeregt, in ein Territorium in der Nähe des Rheins umsiedelten (Rhein-Main-Gebiet).

Eine dritte Aussage der Historiker faszinierte mich. Die Hermunduren durften angeblich als einziger Stamm der Barbaren in Waffen das Römische Imperium betreten.

Ich hatte 'mein Volk' gefunden, denn Freundschaften in dieser historischen Epoche währten nicht ewig, schon gar nicht die Freundschaft Roms.

3) Was ist uns heute über die Existenz der Hermunduren bekannt?

Das Siedlungsgebiet der Markomannen als ursächlich ‚Grenzmänner’ lag vor Marbods Existenz zwischen Kelten und Sueben, in einer ‚unbekannten Grenzmark’. Die Lage wurde dem mittleren Rhein-Main-Gebiet zugeordnet.

Marbod, der König der Markomannen, schien so wie Arminius von den Cheruskern, seine Jugendjahre in Rom verbracht und dort vieles für seine Zukunft gelernt zu haben.

Marbod lebte von  30 v. Chr. bis 37 n. Chr.

 

Vibilius, der Edle der Hermunduren, hingegen schien ein Zögling von Marbod zu sein. Beide orientierten in ihrem zukünftigen Verhalten auf eine gleichartige zentralistische Machtabsicht! Über Geburt und Todeszeitpunkt des Vibilius konnten keine exakten Daten ermittelt werden.

 

Im Folgezeitraum der römischen Kaiser Augustus, Tiberius und Claudius verknüpfte sich das Schicksal der Stämme der Markomannen, der Hermunduren und Quaden von vor der Zeitenwende bis zur Mitte des 1. Jahrhundert. n. Chr.

Hermunduren waren als Nachbarn der Semnonen um 5 n. Chr. im Raum nördlich Magdeburg bekannt. Sie siedelten entlang der Elbe bis zu deren Quelle in Böhmen auch schon bevor die Markomannen in dieses Gebiet eindrangen.

 

Markomannen, Hermunduren, Quaden und Narister hatten kein exakt umrissenes Siedlungsgebiet! Als ‚Siedlungsgebiet’ kann, beginnend vom Mittelrhein, das Gebiet Mainfranken bis Böhmen erkannt werden. Es gibt keine exakte Grenzmarkierung, so dass die Annahme nahe liegt, dass die Siedlungen des einen Stammes in das Siedlungsgebiet des anderen Stammes hineinragten. Somit wäre über das Gesamtgebiet westlich des Mittelrheins, Mainfrankens bis zum Verlauf der Elbe über Sachsen/Anhalt, Thüringen und Sachsen bis einschließlich Böhmen ein ‚zentralistischer Machtblock’ zur Bildung eines monarchischen Königreichs möglich gewesen, in dem mit den Hermunduren an den Flanken des Siedlungsgebietes und den Quaden und Markomannen in deren Inneren und an deren Süd- und Ostgrenze eine starke militärische Macht zur Verfügung stand.

 

Hieraus resultiert zwar ein miteinander verbundener Existenzzyklus, der aber keine ‚Tradition’ entstehen lässt! Ebenso kommt es nicht zur ‚monarchischen Herrschaft’. Trotzdem die starke Machtposition im Zentrum der Stämme dafür Voraussetzungen schuf, wurde kein Weg zum ‚germanischen Stammeskönigtum’ beschritten. Der Erfolg blieb auf Grund offensichtlich widersprüchlicher Interessen und Machtansprüche durch Druck von Außen (Rom, Cherusker) und von Innen (Markomannen, Quaden, Hermunduren) aus.

 

Vibilius, der ‚Edle der Hermunduren’, unterlag wie Marbod und Vannius dem Wechselverhältnis von ‚Königsheil’ und ‚militärischem Erfolgszwang’.  Für eine Machtstellung dieser Fürsten muss deshalb zuerst die Gefolgschaft und erst danach die Stammeszugehörigkeit berücksichtigt werden.

4) Wann eigentlich lebte Vibilius, der Herzog der Hermunduren?

Vibilius trat erstmalig 19 n. Chr. als der ‚Edle der Hermunduren’ in Erscheinung. Nach Überlieferungen soll er zum Sturz des Katualda beigetragen haben. Katualda letztlich für die Vertreibung von Marbod verantwortlich, könnte sich tatsächlich den Zorn Vibilius zugezogen haben. War Vibilius ein Zögling von Marbod, erscheint ein Racheelement möglich. Zumindest wahrscheinlich wäre ein Element der Verbundenheit und Dankbarkeit gegenüber Marbod, auch wenn dieser davon keinen Nutzen mehr hatte. Als wahrscheinlicher jedoch sollte

angenommen werden, dass mit der damaligen Jugend von Vibilius ein Hindernis für eigene Machtansprüche gegenüber Vannius gegeben schienen. Vannius war ab 19 n. Chr. König der Quaden und Markomannen. Im Bündnis mit Hermunduren und Lugiern war er auch deren Oberhaupt.

 

Letztmalig wird Vibilius um 50/51 n. Chr. bei der Vertreibung von Vannius genannt. Damit könnte Vibilius um die Zeitenwende geboren sein?

Als Schüler des Marbod, zwischen möglicherweise 9 und 15 n. Chr., könnte er unter Marbods Einfluss gestanden haben.

Bei Vibilius erstmaliger Nennung als ‚Edler der Hermunduren’ im Jahre 19 n. Chr. dürfte er bereits mindestens 20 Winter gezählt haben.

Demnach wäre er um 50 n. Chr. etwa 51 Jahre alt und um 58 n. Chr., zum Zeitpunkt der  Salzschlacht, in der er nicht in überlieferten Informationen erwähnt wird, bereits 59 Jahre alt gewesen sein.

Sofern Vibilius der Strohtod ereilte, so sollte dessen Datum im Zeitraum zwischen 50 und 58 n. Chr. liegen. In diesem Fall hätte er seine Hermunduren in der Salzschlacht nicht anführen können!

 

Der Sieg über die Chatten in der Salzschlacht erforderte eine starke zentralistische Stammesmacht und einen erfahrenen Heerführer. Das legt nahe, dass die Salzschlacht unter dem Anführer Vibilius geführt wurde, der dann mit 58 Jahren beteiligt war.

Es ist fraglich, ob ein junger, unerfahrener Anführer die Schlacht für die Hermunduren hätte gegen die gut organisierten Chatten gewinnen können?

Ein weiterer Aspekt für Vibilius während der Salzschlacht bestand darin, dass ein anderer jüngerer Sieger, der durch eigene charismatische Eigenschaften, die zur Erringung des Sieges unbedingt  erforderlich waren, die errungene Macht niemals wieder aus der Hand gegeben, sondern unbedingt gefestigt hätte.

 

War aber Vibilius der Anführer, so wäre erklärbar, dass mit seinem Tod, irgendwann nach der Salzschlacht, ein Machtvakuum entstand, das nicht durch einen geeigneten Führer ausgefüllt werden konnte.

Sicher scheint jedoch, dass nach Vibilius kein anderer ‚edler Hermundure’ politisches Profil erwarb und somit mit Vibilius Tod der Stamm der Hermunduren die starke Machtposition verloren zu haben schien.

Ob das durch Machtteilung, fehlende charismatische Anführer oder innere Widersprüche zwischen rivalisierenden Kräften eintrat, ist nicht überliefert.

 

Könnte Vibilius schon vor der Zeitenwende, z. B. 5 v. Chr., geboren sein?

In diesem Falle wäre Vibilius um 9 n. Chr. schon 14 Jahre und für einen ‚Zögling’ von Marbod  zu alt. Zur Machtergreifung von Vannius hätte sich Vibilius im Alter von 26 Jahren kaum freiwillig dessen Machtanspruch gebeugt. Zur Salzschlacht dagegen wäre er mit schon 63 Jahren wahrscheinlich zu alt und somit zu ‚gebrechlich’ gewesen. Insofern fällt diese Annahme als Unwahrscheinlich aus.

 

Könnte Vibilius aber eventuell erst 5 n. Chr. geboren worden sein, wäre er als ‚Zögling’ von Marbod erst 4 Jahre alt und auch als Herzog bei der Vertreibung von Katualda Vertreibung mit 14 Jahren entschieden zu jung. Diese Annahme fällt  somit auch als ebenso Unwahrscheinlich aus!

 

Insofern erscheint eine Datierung für das Geburtsjahr des Vibilius auf den Zeitraum zwischen frühestens 2 v. Chr. bis spätestens 2 n. Chr. logisch.

Vibilius wäre danach

  • zum Beginn von Marbods Patenschaft zwischen 7 und 11 Jahren,
  • als Herzog der Hermunduren zur Vertreibung des Katualda im Alter zwischen 17 und 21 Jahren und
  • zur Salzschlacht zwischen 56 und 60 Jahren alt gewesen!

 

Die begrenzte damalige Lebenserwartung würde mit diesen Daten insofern übereinstimmen und zur Schlussfolgerung führen, dass zum Zeitraum meiner Romangeschichte der ‚Edle Vibilius’ als Herzog der Hermunduren nicht mehr gelebt und an seiner statt, auch kein anderer Herrscher die alleinige Macht im Stamm der Hermunduren ausgeübt haben wird!

Eine Zeittafel chronologischer Ereignisse

 

9 v. Chr.     Markomannen werden aus dem Siedlungsgebiet Mainfranken vertrieben

3 v. Chr.     Mit Hilfe Roms Beginn teilweise Umsiedlung Hermunduren in Siedlungsgebiet 

                    Mainfranken

6 n. Chr.     Marbod schafft starkes Zentralsystem verbundener Stämme

6 n. Chr.     Rom sammelt Legionen um Marbods ‚Imperium’ zu zerschlagen

6 n. Chr.     Pannonischer Aufstand zwingt Römer zu anderen Aktionen

9 n. Chr.     Varusschlacht mit Arminius Cheruskern

17 n. Chr.   Krieg zwischen Markomannen und Cheruskern - Hermunduren fallen nach Krieg von

                    den Markomannen ab

17 n. Chr.   Katualda stürzt Marbod (Exil in Roms Gnaden)

19 n. Chr.   Vibilius, Herzog der Hermunduren, vertreibt Katualda (Exil in Roms Gnaden)

19 n. Chr.   Der Fürst der Quaden Vannius füllt das Machtvakuum als König, die militärische

                    Machtposition scheint jedoch bei Vibilius, dem Fürst der Hermunduren, zu liegen

21 n. Chr.    Ermordung Arminius durch eigene Verwandte

50 n. Chr.    Vannius wird mit Hilfe der eigenen Neffen und der Lugier von Vibilius Hermunduren

                     verjagt

51 n. Chr.    Kämpfe der Hermunduren unter Vibilius an der Donau

58 n. Chr.    Salzschlacht zwischen Chatten & Hermunduren (Streitpunkt das Salz der Flüsse, 

                    wahrscheinlich fränkische Saale (Salu), Werra, thüringische Saale.

                    Ob Vibilius zu dieser Zeit noch hermundurische Streitkräfte befehligte, ist nicht

                    überliefert.

 

Bis 58 n. Chr. sind die Hermunduren die Hauptmacht germanischer Stämme im Süden!

Trotz ‚fließender Grenzen’, örtlicher Nähe im Lebensraum und weitestgehend gleicher Abstammung verhindern innere Widersprüche eine monarchische Entwicklung!

 

 

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